Robotrading-Backtests (1 von 4) – so erkennen Sie eine gute Handelslogik

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Liebe Leser,

als Backtesting bezeichnet man die Betrachtung einer Handelslogik auf Basis historischer Kursdaten. Mit einem Backtest können Sie prüfen, welche Ergebnisse Sie in der Vergangenheit mit der Strategie hätten erzielen können. In unserer mehrteiligen Serie Robotrading-Backtests – so erkennen Sie eine gute Handelslogik wollen wir Ihnen zeigen, welche Kriterien Ihnen dabei helfen, Handelslogiken zu bewerten und welche Einstellungen bei unseren Robotern zu den besten Backtest-Ergebnissen geführt haben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und hoffen, dass unsere Tipps Ihr Trading noch profitabler machen.

Ihr Silvio Grass

 

Teil 1: Wie Sie mit Hilfe von Backtests den richtigen Handelsroboter wählen

Die Grundlagen des Backtesting von Handelslogiken zu verstehen, hilft Ihnen als Investor zu entscheiden, welcher Roboter oder EA für Sie interessant ist und welchen Sie besser meiden sollten. Auch wenn Sie unser Artikel nicht auf einem Schlag zum Experten macht, gibt er Ihnen doch die wichtigsten Kenntnisse für die Bewertung von Handelsstrategien an die Hand.

 

Moderne Backtesting- und Entwicklungs-Architektur für Sie im Einsatz

Wir betreiben einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand, um im Interesse unserer Kunden die optimalen Roboter zu entwickeln. Für die Entwicklung unserer Strategien nutzen wir moderne Software-Lösungen, die es uns erlauben, die Handelslogiken über viele hunderttausende Trades parallel auf einer Vielzahl von verschiedenen Währungspaaren zu testen. Diese Programme beanspruchen extrem hohe Rechenleistungen, die wir durch die Anmietung leistungsstarker externer Server erreichen.

 

Meiden Sie Einzelmarkt-Strategien! Diversifikation führt Sie zum Erfolg!

Die Entwicklung einer Handelsstrategie für einen einzelnen Markt ist vergleichsweise einfach, führt aber langfristig nicht zum Erfolg. Deshalb fokussieren wir uns vielmehr auf die Frage: „Wie funktioniert der Roboter auf unterschiedlichen Märkten?“ Unser Ziel ist es, unsere Handelsstrategien in möglichst vielen Märkten oder Währungspaaren einsetzen zu können.

Unsere grundsätzliche Empfehlung lautet: Meiden Sie unbedingt Strategien, die nur für einen Markt oder ein Währungspaar entwickelt wurden. Es ist nicht auszuschließen, dass solche Strategien funktionieren. Jedoch verändert sich das Verhalten von Märkten regelmäßig, was quasi garantiert, dass es auch zu größeren Verlustphasen dieser Einzelmarkt-Strategien kommen wird.

Es ist also wie bei einem Investment in Aktien. Die Diversifikation über viele Währungspaare führt zu einer stabileren Wertentwicklung. Diesen Effekt wollen wir zu unserem Vorteil nutzen!

 

So erkennen Sie die Qualität eines Handelsroboters

Damit Backtest-Ergebnisse bewertet und untereinander verglichen werden können, betrachten wir bestimmte Kennzahlen. Diese erlauben es Ihnen, die Charakteristik und Qualität eines Roboters oder EAs genau zu erfassen. Anhand der folgenden Übersicht möchten wir Ihnen die wichtigsten Kennzahlen kurz erläutern:

Maximaler

Draw-Down

Der maximale Draw-Down beschreibt den höchsten Rückgang, den ein Handelskonto von seinem historischen Höchststand erfahren hat. Eröffnet ein Investor z.B. ein Handelskonto mit 20.000 EUR, und steigt dieses Konto zuerst auf 21.000 EUR und fällt dann auf 19.000 EUR, beträgt der Verlust für den Investor 1.000 EUR. Der maximale Draw-Down wird aber vom Höchststand 21.000 EUR aus gerechnet und beträgt in unserem Beispiel 2.000 EUR.

 

Maximaler Intraday-Draw-Down

 

Der maximale Intraday-Draw-Down bewertet alle offenen Positionen unter Berücksichtigung der Kursentwicklung im Tagesverlauf. Jeder Trade, auch ein Gewinner, kann beispielsweise mittags einen höheren Verlust als am Tagesende ausweisen. Der maximale Intraday-Draw-Down bezieht auch diese temporären Buchverluste mit ein. Um das Verlustrisiko exakt zu ermitteln, empfehlen wir Ihnen, immer den maximalen Intraday-Draw-Down zu betrachten.

 

Net Profit

(Nettogewinn)

 

Der Nettogewinn zeigt, welchen Ertrag eine Handelsstrategie über den gesamten Zeitraum des Backtest erzielt hätte.

 

Return on Maximum Draw-Down

 

Diese Kennzahl zeigt das Verhältnis des Nettogewinns zum maximalen Draw-Down an. Anhand dieser Kennzahl erkennen Sie, welches Risiko erforderlich war, um den ausgewiesenen Gewinn zu erzielen. Sie ist vergleichbar mit der Calmar-Ratio, welche das Verhältnis der durchschnittlichen Jahresrendite zum maximalen Draw-Down misst. Je höher dieser Wert, desto ruhiger verläuft die Wertentwicklung.

 

Prozent

Gewinntrades

 

Der Prozentsatz der Gewinntrades zeigt Ihnen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Trade ein Gewinner ist.

 

Ø Gewinn / Ø Verlust

Das Verhältnis des durchschnittlichen Gewinnbetrages aller Gewinntrades zum durchschnittlichen Verlustbetrag aller Verlusttrades. Bei Werten über 1 sind die Gewinner im Schnitt größer als die Verlierer. Bei Werten unter 1 ist es entsprechend umgekehrt.

Der maximale Draw-Down und der Nettogewinn verdeutlichen Ihnen, wie hoch das maximale Risiko ist, und welchen Ertrag Sie theoretisch erwarten können. Wenn Sie die Positionsgröße pro Trade entsprechend erhöhen oder reduzieren, können Sie anhand dieser beiden Kennzahlen die Handelsstrategie auf Ihre gewünschte Kontogröße anpassen. Der Return on Maximum Draw-Down ist eine Kennziffer, die vor allem für den Vergleich von unterschiedlichen Robotern oder EAs sehr wichtig ist.

 

Diese Kennziffer warnt Sie vor dem Totalverlust 

Mittels des Prozentsatzes der Gewinntrades und des durchschnittlichen Gewinns und Verlusts pro Trade können Sie die Wahrscheinlichkeit des maximalen Draw-Downs schätzen. Diese Kennziffer wird als Risk of Ruin (RoR) bezeichnet. Wenn sie bereits andeutet, dass ein gewisses Risiko eines Totalverlustes oder eines bestimmten Draw-Down besteht, dann dürfen Sie die entsprechende Handelsstrategie auf keinen Fall einsetzen!

Es gibt unterschiedliche Methoden zur Berechnung des Risk of Ruin. Wir orientieren uns an einem Ansatz von Peter A. Griffin aus seinem Buch „The Theory of Black Jack“ und wenden die von ihm entwickelte Formel an. Die folgende Tabelle zeigt die Wahrscheinlichkeit für einen Draw-Down in Höhe von 50 % für ein 10.000-EUR-Konto. Diese ist abhängig vom durchschnittlichen Gewinn-/Verlustverhältnis (linke Spalte) und dem Prozentsatz der Gewinntrades (obere Zeile).

ror.png

Wie die Tabelle zu lesen ist, zeigt folgendes Beispiel: Ihnen wird eine Handelsstrategie mit einer Gewinnerquote von 40 %, einem durchschnittlichen Gewinntrade von 1.000 EUR und einem durchschnittlichen Verlusttrade von 500 EUR angeboten. Sie überlegen, diese Strategie in einem 10.000-EUR-Konto zu handeln. Der Tabelle können Sie entnehmen, dass diese Strategie Ihr Konto mit einer Wahrscheinlichkeit von 16 % ha   lbieren wird.

Hätte diese Handelsstrategie eine Gewinnerquote von 50 %, würde dieses Risiko nur noch 2 % betragen.

 

Das Werkzeug der Profis: VaR

Die Abkürzung VaR steht für Value at Risk, was frei übersetzt „Wert im Risiko“ bedeutet. Das VaR misst für einen konkreten Zeitraum, beispielsweise einen Tag odereinen Monat den theoretischen Verlust, der mit einer bestimmten  Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Diese Kennzahl lässt sich für jedes Investment berechnen und erlaubt es uns, das Risiko von Handelsstrategien mit jedem anderen Investment zu vergleichen.

Beispiel: Der DAX® hat  auf Basis der Tages-Daten der letzten 5 Jahre mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % ein VaR von - 2,67 %. Wenn wir das andersrum formulieren, wird die Aussage verständlicher: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % wird der DAX® keinen Tagesverlust haben, der größer als - 2,67 % ist.

 

Ihre Werkzeuge zur besseren Bewertung von Handelsrobotern

Die Bewertung von Handelsstrategien und Backtesting-Ergebnissen ist grundsätzlich ein komplexes Thema. Trotzdem können Sie sich schon mit wenigen Kennzahlen eine fundierte Meinung zu einem Roboter oder EA bilden. Wenn für Sie das Verhältnis des Nettogewinns zum maximalen Draw-Down attraktiv ist, gibt Ihnen die Betrachtung der Wahrscheinlichkeit des maximalen Draw-Downs noch einen wichtigen Hinweis darauf, wie hoch Ihre langfristigen Erfolgschancen mit dieser Strategie sind.

In unserem nächsten Artikel wollen wir die hier gewonnen Erkenntnisse anwenden und die einzelnen Kennziffern der Robotrading Portfolios analysieren und bewerten.